Jens Heitjohann: "I promise..." (AT) (2014)




I promise... (AT)
Eine bewegte Meditation über Versprechen, die wir nie gegeben haben
von Jens Heitjohann

Performance / begleiteter Rundgang durch verschiedene Stationen im Unionviertel, Dortmund
Premiere: 6./7. September 2014
Weitere Aufführungstage: So 14.09, So 21.09, So 28.09, So 5.10, So 19.10

Ein Projekt von Urbane Künste Ruhr und Bohème Précaire
Sponsor von Bohème Précaire: DEW21
Förderer: Kulturbüro Stadt Dortmund, NRW Landesbüro Freie Kultur
Partner: Neue Kolonie West
Regie und Konzept: Jens Heitjohann (Leipzig/Berlin)

Von September bis November dieses Jahres wird Urbane Künste Ruhr in Kooperation mit dem Kunstverein Bohème Précaire e.V. ein neues Stadtprojekt des Künstlers Jens Heitjohann (Leipzig/Berlin) im öffentlichen Raum des Dortmunder Unionviertels durchführen: „I promise…“ (Arbeitstitel).

Kurze Projektbeschreibung
Kontext: Das Dortmunder Unionviertel wird derzeit verändert – wie auch viele andere Stadtteile und Städte im Ruhrgebiet. Neue Wirtschaftszweige sollen Fuß fassen, Wohnviertel sollen attraktiver und neue Bevölkerungsgruppen angelockt werden (Stichwort: Strukturwandel). Kunst und Kreativwirtschaft sollen für Aufschwung sorgen. Das heißt: Kunst wird für die Fortschreibung einer Praxis in Dienst genommen, wie sie im Ruhrgebiet seit der Boom-Zeit von Kohle und Stahl gängig ist: Wesentliche Teile von Stadtentwicklung werden an die Privatwirtschaft ausgelagert. Gestaltung von Stadt heißt dann: Bewirtschaftung von Stadt. Legitimiert werden diese Maßnahmen mit dem Versprechen einer besseren Zukunft für die Region. Eine Garantie für diese Zukunft gibt es allerdings nicht.

Jens Heitjohanns Performanceprojekt I promise... (AT) reflektiert diese Situation und stellt sie auf verschiedenen Ebenen zur Diskussion: Sollen ökonomische Interessen die Gestaltung des gemeinsamen Lebensraums bestimmen? Müssen sie das? Was geschieht, wenn die Bemühungen nicht fruchten? Was bedeutet die wirtschaftliche Veränderung einer Stadt für die persönliche Biographie? Wie prägen Kapitalfluss und freier Markt unser Leben und Denken, unser Fühlen und Handeln? Wie wirken sich ökonomische Abhängigkeiten auf unsere individuelle Entwicklung und unsere persönlichen Beziehungen aus? Welchen Einfluss hat Reichtum, welchen haben Schulden auf unseren je individuellen Möglichkeitsraum – in monetärer ebenso wie in moralischer Perspektive?

Ausgehend von diesen Fragen erarbeitet der Künstler Jens Heitjohann gemeinsam mit Dortmunder Bürger*innen einen Rundgang durch das Unionviertel – vorbei an Stätten des alten, des gegenwärtigen und des zukünftigen Wirtschaftens.

Umsetzung: Auf dem Weg zu diesen Stationen werden die Besucher*innen von jeweils einer Performerin / einem Performer begleitet, die ihre Geschichten und Erfahrungen in Hinblick auf Geld, Arbeit und die Veränderungen ihres Viertels erzählen und mit den Besucher*innen teilen. An einer Station angekommen, werden die Besucher*innen an den nächsten Performer übergeben (ähnlich einem Staffellauf durch die Stadt). Zu Wort kommen Menschen unterschiedlichen Alters mit den verschiedensten kulturellen, sozialen und beruflichen Hintergründen. Ihre Geschichten verbinden sich mit speziellen Orten im Unionviertel, die gemeinsam mit den Zuschauer*innen aufgesucht und als Spur im Stadtraum erfahrbar gemacht werden. Aus den Erzählungen der Performer*innen entsteht eine neue Topografie der Stadt. Während des Rundgangs entwerfen die Erzählungen Porträts, die exemplarisch für die Rückkopplungen der wirtschaftlichen Veränderungen in den letzten Jahrzehnten mit einer gelebten Alltagspraxis und Arbeitsrealität stehen. In den Begegnungen von Performer*innen und Besucher*innen wird spürbar und nachvollziehbar, was die Ausdehnung von freiem Markt und Wettbewerb auf alle Bereiche der zwischenmenschlichen Beziehungen bedeutet. Wie sich individuelle Lebensläufe mit den gestiegenen gesellschaftlichen Anforderungen an jeden verändern – resultierend im Gegensatzpaar Gewinner/Verlierer. Das Unionviertel als Standort der ehemaligen Dortmunder Montan- und Bierbrauindustrie, das nun jungen Kreativen und Existenzgründern eine Heimat bieten soll, bildet aufgrund seiner Geschichte, seines gegenwärtigen Umbaus und der Hoffnung auf eine wirtschaftlich prosperierende Zukunft die ideale Folie für die Diskussion dieser Themen.

Team: Katja Aßmann, Aline Benecke, Annette Bohn, Christiane Dörken, Jens Heitjohann, Johanna Knott, NEU, Fabian Saavedra-Lara, Klaas Werner, Samira Yildirim

Veranstalter: Urbane Künste Ruhr und Bohème Précaire e.V. zur Förderung zeitgenössischer Kunst.
Sponsor Bohème Précaire: DEW21
Förderer: Kulturbüro der Stadt Dortmund, NRW Landesbüro Freie Kultur
Partner: Neue Kolonie West