Sense Of Wonder
  • About
  • Künstler
  • been out
  • Programm
  • online-galerie
  • Jury
  • Geschichte
  • Kontakt
  • Partner
  • ✘ Bohème Précaire 3 – been out [vol. 1]
    • been out, [vol. 1]

      Nachricht vom Organisationsteam:
      Wir bedanken uns herzlich für die große Resonanz auf den Call for Projects zu been out, [vol. 1] und die vielen Einreichungen! Die Ausstellung war ein großer Erfolg und ist auf viel positive Resonanz gestoßen.

      Die Einreichungen können in der Online-Gallerie von LABKULTUR nachgeschlagen werden: kunst.labor

      Eindrücke von der Ausstellung könnt ihr in unserem vimeo-Account finden: vimeo.com/bohemeprecaire



      Ausstellung been out, [vol.1]:
      Sechs internationale Positionen junger zeitgenössischer Kunst.
      Ein Projekt von Bohème Précaire.

      Ausstellungseröffnung: 3. Dezember 2011. Beginn: 18:00 Uhr
      Ausstellung: 3. - 10. Dezember 2011
      Ständige Vertretung, Hoher Wall 15, 44137 Dortmund-Mitte

      Sechs Positionen von internationalen jungen KünstlerInnen aus Kolumbien, Brasilien, Argentinien, Südafrika, Estland und Deutschland werden vom 3.–10. Dezember 2011 in der Ausstellung been out, [vol.1], organisiert von der Dortmunder Kulturinitiative Bohème Précaire, zu sehen sein. Ihre Vorschläge wurden aus über 200 per E-Mail eingereichten Bewerbungen ausgewählt. Alle Arbeiten werden kontinuierlich in der Online-Galerie kunst.labor, einem Channel des Kulturportals 2010lab.tv, veröffentlicht. Die große Zahl interessanter Beiträge aus vielen verschiedenen Ländern machte es der Jury nicht leicht, sich zu entscheiden. So beschloss man, statt der angekündigten fünf Projekte noch ein sechstes auszuwählen. Ausstellungsraum ist die leer stehende zweite Etage der Ständigen Vertretung, Sitz des Dortmunder Kreativnetzwerks Heimatdesign.

      Teilnehmende KünstlerInnen sind:
      Andrea Acosta Fonrodona (CO) – Sketches for Found Sculptures II
      Natalia Blanco (BR) und Betiana Bellofatto (AR) – Some Important People and Friends
      Theorie- und Praxisgemeinschaft Dr. Fahimi (DE) – Social Movement Generator
      Murray Gaylard (ZA) – Huh? (Talking Streets)
      Andrus Lauringson (EE) – Reply-Replay
      ZASD (DE) – Arrow Pieces

      Thema von been out, [vol.1] ist die Wiederaneignung von öffentlichen, urbanen Räumen in wirtschaftlichen Krisenzeiten durch künstlerische Strategien. Die Bandbreite der gezeigten Arbeiten reicht von der kreativen Anwendung des populären Internetdienstes Google Maps für eine Performance (Huh?) über eine spielerische Intervention zur Re-Politisierung des öffentlichen Raums (Social Movement Generator) bis hin zur Veränderung der Logik urbaner Räume durch eine poetische künstlerische Erzählung (Sketches for Found Sculptures II). Eine interaktive Klanginstallation (Reply-Replay), Street Art in der Dortmunder Innenstadt (Some Important People and Friends) und Fotografie (Arrow Pieces) komplettieren den Querschnitt junger zeitgenössischer Kunst, den been out, [vol.1] bietet.
      Alle Arbeiten in der Ausstellung zeigen, wie künstlerische Praxis dazu beitragen kann, neue Perspektiven auf Stadträume zu entwickeln und neue Gemeinschaften auf Zeit entstehen zu lassen.

      been out, [vol.1] wird ermöglicht durch die freundliche Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen, des european centre for creative economy – ecce, des Kulturbüros der Stadt Dortmund, des Generalkonsulats der Niederlande in Düsseldorf und der DEW21.

      Projektpartner:
      NRW: Hartware MedienKunstVerein, 2010LAB.tv, Heimatdesign, Neue Kolonie West, Dortmunder U – Zentrum für Kunst und Kreativität, Kulturbüro Dortmund, The Beat, Myths of the Near Future, Rapid Eye Movies. NL: Virtueel Platform (Amsterdam), Worm (Rotterdam). GB: Central St Martins College of Art and Design (London). Medienpartner: Ruhr Gestalten.

      HINTERGRUND / ZUM THEMA BEEN OUT
      Das Ende der Geschichte ist ausgeblieben. Statt Reichtum für alle durch Aktien und ein sorgenfreies Leben durch die Segnungen der Dotcom-Ökonomie erleben die westlichen Demokratien eine nie gekannte Destabilisierung durch die unsichtbaren Gefahren des Terrors vielerlei ideologischen Zuschnitts, durch jahrzehntelange Misswirtschaft und durch jene globalen Finanzmärkte, von denen sie jahrzehntelang profitiert haben. Gleichzeitig erlebt der öffentliche Raum eine enorme Erweiterung durch neue Technologien in der virtuellen Realität des Internets und in der physischen Welt. Die Grenzen des Privaten werden durchlässig. Datenschützer gelten als Spießer und Spielverderber beim globalen Spiel mit Identitäten. Digitale, vernetzte Medien wie das Social Web locken mit ihrem Versprechen nach Teilhabe an weltweiter Kommunikation und einer Bühne für jeden, der Produzent in einer Kultur der Partizipation sein will. Die Nebenwirkungen sind Exhibitionismus, Voyeurismus und eine kommerzielle Vereinnahmung, die scheinbar immer schon vor Ort ist, sobald eine neue Idee die Bühne betritt. Und doch sind Neue Medien längst nicht mehr nur ein Spielzeug für Nerds, sondern natürlicher Bestandteil des Alltags, der sozialen Kommunikation, der Arbeit und auch der Produktion, Präsentation und Vermittlung von Kunst. Sie befördern eine globale Kultur des demokratischen Austauschs von Information, die z.B. Menschen aus Entwicklungs- oder Schwellenländern mit Zugang zum World Wide Web neue Möglichkeiten eröffnet, sich zu organisieren, und die daher von autoritären Regimes gefürchtet wird. Computerviren und Würmer sind neue Werkzeuge im Waffenarsenal der globalen Interessenkonflikte.

      Doch statt sich vollkommen in virtuelle Welten zurückzuziehen, wie sie Computerspiele im Stil von World of WarCraft suggerieren, erfährt der öffentliche, urbane Raum im Sinne eines Orts der Begegnung, der sozialen und politischen Diskurse gegenwärtig eine Renaissance. Statt den Cyberspace zu perfektionieren, von dem die Science-Fiction der 80er Jahre träumte, verbinden vernetzte, digitale Medien den physischen Raum per Smartphone oder Netbook mit der ortlosen Gemeinschaft der allgegenwärtigen Facebook-Freunde – hin zu einer hybriden Umgebung mit zahlreichen Hotspots und Schnittstellen.

      Eine vom Unvermögen der alten Eliten, die gegenwärtige Wirtschaftskrise wirksam zu bekämpfen, frustrierte Jugend z.B. nutzt das Social Web und Applikationen für Smartphones, um ihrem Protest eine gemeinsame Stimme zu verleihen. Ort ihrer Manifestationen sind die geschichtsträchtigen Plätze von Hauptstädten wie Madrid oder Athen. In einigen Ländern der arabischen Welt wie Ägypten konnten unter Verwendung von Facebook und Twitter gar ganze Regierungen zu Fall gebracht werden. Diese Jugend, von der im Fall krisengeschüttelter Staaten in Europa bisweilen jeder zweite unter 25 ohne Arbeit ist, nutzt Neue Medien, um ihr Recht auf Arbeit und eine bessere Zukunft einzufordern und sich den öffentlichen Raum anzueignen.

      Wenn die zentrale Frage des zeitgenössischen, flexiblen Menschen nach dem Kunsttheoretiker Nicolas Bourriaud die nach der nächsten Station ist, nach der Richtung, die er einschlagen sollte, um sich weiterzuentwickeln und zu optimieren, während er gleichzeitig permanent damit beschäftigt ist, ganz er selbst zu sein (Alain Ehrenberg), und dem Versprechen der unzähligen Dinge, die er sein könnte, hinterherläuft, so wird diese Frage durch aktuelle kulturelle Praktiken und zeitgenössische künstlerische Strategien oftmals mit einer Rückkehr ins Öffentliche beantwortet, den Stadtraum, die Gemeinschaft.

      Wenn die Bewohner des globalen Dorfs nur noch passiv auf die Auswirkungen der internationalen Verflechtungen ökonomischer, politischer oder sozialer Natur reagieren können, sehnen sie sich nach einer intersubjektiv geteilten Kultur wie sie Habermas einst definierte. Nach Orten der physischen Begegnung, des Austauschs, des Diskurses. Street Art, Flashmobs, Interventionen, Guerilla Gardening, Parcour, Boomboombox-Parties oder Adbusting lauten die neue Praktiken der zeitgenössischen Populärkultur.

      Die Herausforderungen, denen sich der moderne Mensch gegenübersieht, spiegeln sich auch in den Strategien einer zeitgenössischen Kunst wider, die auf Partizipation setzt und auf einer Ästhetik basiert, die Menschen mit anderen in Beziehung setzt; wie beispielsweise die Installationen von Rirkrit Tiravanija, die Happenings von Christoph Schlingensief oder Urban Screens-Projekte, die zur Teilnahme einladen.

      AUFGABE
      Das Ausstellungslabor been out lädt dazu ein, sich mit Einreichungen verschiedenster Art am Call for Projects zu beteiligen. Im Mittelpunkt sollte die künstlerische Auseinandersetzung mit diesen Annahmen stehen:

      1. Einst aufgrund ihrer Wirtschaftskraft zumindest respektierte Metropolen wie die Städte des Ruhrgebiets befinden sich in einem laufenden Transformationsprozess. Die Abwanderung der Schwerindustrie in andere Länder hinterließ an vielen Orten Leerstellen, die einer langfristig gedachten politischen Agenda zufolge durch eine Stärkung der Sektoren Wissenschaft, Bildung, Dienstleistung, Kultur und Kreativwirtschaft gefüllt werden sollen. Diese Leerstellen im Stadtbild des Ruhrgebiets sind oftmals geprägt durch dysfunktionale urbane Umgebungen; Wohn- und Arbeitsräume, die in Jahrzehnten durch die Logik einer auf Industrie basierenden Wirtschaft entstanden und nun ihres inneren Kerns beraubt worden sind. Innere Stadtränder, uniforme Einkaufsmeilen mit ihren omnipräsenten Werbebotschaften sowie die Ausbreitung von temporären Billigläden und Spielhallen sind u.a. typische Merkmale für urbane Räume in wirtschaftlichen Krisenzeiten.

      2. Statt zur vollständigen Flucht in eine virtuelle Gegenwelt verwendet zu werden, erweitern vernetzte, digitale Technologien wie soziale Netzwerke den physischen Raum und werden zu Werkzeugen, mit deren Hilfe sich ihre Nutzer den öffentlichen Raum als kommunikativen, sozialen und diskursiven Raum neu erschließen und wieder aneignen. Durch zahlreiche neue kulturelle Praktiken und künstlerische Strategien entsteht ein hybrider Raum, der die Möglichkeiten vernetzter, digitaler Medien mit sinnlichen Erfahrungen verbindet, gleichzeit neue Perspektiven auf den Stadtraum und neue Gemeinschaften auf Zeit entstehen lässt. Parallel entstehen im virtuellen Raum Verschiebungen und Durchlässigkeiten der Grenzen des Privaten und Öffentlichen.

      Zeitgenössische kulturelle Praktiken in urbanen Umgebungen haben das Potential, die teilnehmenden BürgerInnen temporär aus der Rolle vereinzelter, passiver und beobachtender Konsumenten von Information, Waren und Dienstleistungen zu lösen und zu einer Auseinandersetzung mit der eigenen Körperlichkeit, mit den Möglichkeiten des öffentlichen Raums und zu Dialogen mit anderen einzuladen. Ziel dieser partizipatorischen Projekte ist ein Aufbrechen der durch alltägliche Routine und vorhersehbare, ökonomische Regeln geprägten Logik des Stadtraums durch kreative und ergebnisoffene künstlerische Interventionen. Von bloßen, voneinander isolierten Beobachtern und Zuschauern im urbanen Raum werden die TeilnehmerInnen zu emanzipierten und gestaltenden oder reflektierten Individuen, die sich der Gemeinschaft mit den anderen BürgerInnen bewusst sind. Sie setzen einen Kontrapunkt zur Passivität des Konsumenten angesichts der überall präsenten kommerziellen Inhalte und der hingenommenen Überwachung seiner Bewegungen im öffentlichen Raum.

      FRAGEN:
      Wie können zeitgenössische künstlerische Strategien aussehen, die sich mit diesen Verschiebungen im physischen und/oder virtuellen öffentlichen Raum auseinandersetzen?

      Wie reflektiert Kunst diese kulturellen Phänomene, wie arbeitet sie mit ihnen, geht sie mit ihnen um, reagiert sie?

      Wie könnten dysfunktionale Stadträume mit Hilfe von diesen künstlerischen Strategien wieder zu Orten der Kommunikation, der Gemeinschaft und des Diskurses werden?

      Wie sieht die Kunst der "Digital Natives" aus?

      Anm.: Digital Natives – Menschen, die mit dem Internet und Mobiltelefonie aufgewachsen sind.

      VERANSTALTER
      Bohème Précaire

      KONTAKT
      c/o Ständige Vertretung
      Hoher Wall 15, 44137 Dortmund
      E-Mail: info@bohemeprecaire.com

      www.bohemeprecaire.com
      www.2010lab.tv/been-out
      www.facebook.com/beenout
      vimeo.com/bohemeprecaire