Sense Of Wonder
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      Andrea Acosta Fonrodona (CO)
      Sketches for Found Sculptures II
      Natalia Blanco (BR) & Betiana Bellofatto (AR)
      Some Important People and Friends
      Murray Gaylard (ZA)
      Huh? (talking streets)
      Andrus Lauringson (EE)
      Reply-Replay
      Theorie- und Praxisgemeinschaft Dr. Fahimi (DE)
      Bürgerinitiativengenerator / Social Movement Generator
      ZASD (DE)
      Arrow Pieces

      URBAN ART SHOWCASE DORTMUND
      Clemens Behr (DE)
      New York & Marrakech revisited
      Mason (DE)
      Dokumentation kreativer Arbeiten


      BESCHREIBUNG DER ARBEITEN
      Andrea Acosta Fonrodona (CO)
      Sketches for Found Sculptures II
      Fotografie, Zeichnung und Text, 2010–2011

      Andrea Acostas Untersuchungsgegenstand ist der öffentliche Raum. Sie durchstreift Einkaufsstraßen, Wohngebiete und Fabrikgelände, dokumentiert äußere Erscheinungen, registriert kaum merkliche Veränderungen, hinterfragt Ursachen und Wirkungen, entdeckt Verstecktes, sammelt Objekte, analysiert Strukturen und macht Unsichtbares sichtbar. Auf diese Weise tritt sie in einen Dialog mit ihrer Umgebung, erforscht ihre innere Dynamik und macht sich den Raum mittels subtiler künstlerischer Strategien zu Eigen.
      Ausgangspunkt für das Projekt Sketches for Found Sculptures II bildet die Stadt Paris. Auf ihren Streifzügen durch Frankreichs Metropole stieß Acosta immer wieder auf Situationen, die innerhalb der urbanen Ordnung aus dem Rahmen fielen und aufgrund ihrer scheinbaren Deplatziertheit skulpturale Züge aufwiesen. Erste Versuche, sich diesen Situationen künstlerisch zu nähern oder mit ihnen zu interagieren, gestalteten sich schwierig, da es sich meist entweder um flüchtige Phänomene handelte oder aber sie auf merkwürdige Weise bereits vollendet schienen. Die Lösung bot ein Nachdenken in die umgekehrte Richtung. Nämlich darüber, wie diese ‚Skulpturen’ zustande gekommen sein könnten. Die daraus entstandenen Zeichnungen beschreiben eine imaginäre Handlung, die die vorgefundene ‚Intervention’ erklärt und ihr eine neue Bedeutung beimisst. Jedes einzelne Werk besteht somit aus dem Dialog zwischen der vorbereitenden Skizze, der Fotografie als Dokumentation der ‚ausgeführten Handlung’ und einem Titel, der dem Ganzen einen konzeptionellen Bedeutungszusammenhang verleiht. Acosta gelingt es auf spielerische Weise, die vorherrschende Logik zu durchbrechen und in den öffentlichen Raum einzugreifen, indem sie ihm eine künstlerische, poetisch anmutende Erzählung hinzufügt – ohne jedoch die physische Realität zu verändern. Verändert wird lediglich die Wahrnehmung. Statische Dinge geraten in Bewegung, bekommen einen Zweck oder zumindest eine Ursache, und sie erzählen Geschichten, die der urbane Alltag bisher versteckt hielt.

      Andrea Acosta (*1981, Kolumbien) absolvierte ihren Bachelor im Fach Medien- und Zeitbasierte Künste an der Universidad de los Andes in Bogota, Kolumbien, sowie einen Master in ‚Public Spaces and New Artist Strategies’ an der Bauhaus-Universität Weimar. Sie wurde mit dem Bauhaus Student Award (2008) ausgezeichnet und hat an zahlreichen Förder- und Austauschprogrammen teilgenommen.


      Natalia Blanco (BR) & Betiana Bellofatto (AR)
      Some Important People and Friends
      Street-Art, 2011

      Inmitten der urbanen Szenerie blicken fein gezeichnete Schwarzweißporträts von Plakatwänden herab. Daneben eine Kurzbeschreibung der abgebildeten Person: Name, Geburtsort, Beruf und Hobbys, besondere Erlebnisse, Angewohnheiten und Vorlieben. Kennst du diese Person?
      Das Projekt Some Important People and Friends begann im Jahr 2008 mit einer kleinen Sammlung von Porträtzeichnungen, die Natalia Blanco über drei Jahre hinweg täglich erweiterte. Herausgekommen ist ein Archiv von verschiedensten charakteristischen, jedoch namenlosen Gesichtern. Zahlreiche zweidimensionale Identitäten, jede für sich von einer gewissen Wichtigkeit, die allmählich nach Klassifizierung, Identifizierung und Aktivierung verlangten. Für die Ausstellung Offensichtlich Öffentlich (2010) in Berlin komplettierte die Künstlerin Betiana Bellofatto erstmals diese Porträts, indem sie Geschichten für die Namenlosen erfand. Entstanden sind fingierte Biografien von sieben in Berlin lebenden Persönlichkeiten. Während des Ausstellungszeitraums wurde täglich ein Porträt und ein dazugehöriger Text in der Stadt platziert. Anhand von Bild und Beschreibung lernten die zufälligen Betrachter einen neuen Menschen kennen, erinnerten sich an Bekannte, verglichen die Person mit sich und den anderen und erhielten in aller Öffentlichkeit Einblick in ein privates Leben.
      Für been out, [vol.1] lassen sich die Künstlerinnen von Dortmunds Vergangenheit als ehemaligem Zentrum der Schwerindustrie inspirieren. Die insgesamt 14 Porträts entstammen den Bildern von verlassenen oder umfunktionierten Orten und dem Gedanken an die Menschen, die einst dort gelebt und gearbeitet haben. Ein Stadtplan im Ausstellungsraum verrät die Standorte der Porträtposter. Zusätzlich werden Passanten durch Flyer auf die Geschichten ihrer vermeintlichen Mitbürger aufmerksam gemacht. Es beginnt ein Spiel zwischen Realität und Fiktion, zwischen Präsentation und Repräsentation. Kennst du diese Person?

      Natalia Blanco (*1980, Brasilien) studierte Kunst an der Universität Kastilien La Mancha und absolvierte 2011 ihren Master in 'Arts, creation and investigation' an der Universität Vigo, Spanien. Seit 2008 lebt sie in Berlin, wo sie das multikulturelle Künstlerkollektiv iCollective mitbegründete.
      Betiana Bellofatto (*1979, Argentinien) schloss 2005 ihr Studium als Bild- und Sound-Designerin an der Universität Buenos Aires ab. Zwischen 2005 und 2008 arbeitete sie als Regie- und Produktionsassistentin bei verschiedenen Kurzfilm- und Werbespotproduktionen. 2009 zog sie nach Berlin und ist Mitbegründerin des dort ansässigen Künstlerkollektivs iCollective.


      Murray Gaylard (ZA)
      Huh? (talking streets)
      Performance, 2011

      Wenn man seine eigenen vier Wände verlässt und den öffentlichen Raum betritt, heißt das nicht unbedingt, dass auch das Bewusstsein einem gefolgt ist. Der tägliche Spaziergang mit dem Hund oder der Gang zum Supermarkt laufen meist derart automatisiert ab, dass äußere Umstände, Menschen, Stimmen und Geräusche kaum wahrgenommen werden. Selbst an fremden Orten, an denen man zwangsläufig seine Aufmerksamkeit auf Schilder, Straßen und Häuser richten muss, wird die Orientierung von elektronischen Geräten übernommen. Entweder man lauscht der freundlichen Computerstimme seines Navigationsgerätes oder folgt einfach dem blauen Punkt auf der Google-Map seines Smartphones – Raumerfahrung reduziert auf einen kleinen Screen mit gelben und blauen Linien.
      Mit seiner Performance Huh? (talking streets) versucht Murray Gaylard aus dieser perzeptiven Sackgasse auszubrechen und den öffentlichen Stadtraum als Kommunikationsraum erfahrbar zu machen. Ausgestattet mit einer am Kopf befestigten Kamera und einem Fahrrad folgt er einer vom Internetdienst Google Maps vorgegebenen Route durch Dortmund. Wann immer er auf seinem Weg einen Passanten etwas sagen hört, schreibt er das Gehörte auf ein weißes Schild und trägt es solange mit sich herum, bis er einen neuen Gesprächsfetzen aufschnappt und diesen notiert. Die geographische Wegstrecke wird so in eine Sprach-Route übersetzt, die für jedermann sichtbar ist. Die Straßen beginnen zu sprechen, und der Raum, der zuvor nur die notwendigerweise zu passierende Distanz zum Ziel darstellte, wird durch die dort anwesenden Menschen und die von ihnen erzählten Geschichten neu formuliert. Es entstehen Momentaufnahmen, die zu einem Mapping der Sprache im Stadtraum werden.

      Murray Gaylard (*1974, Südafrika) hat Soziologie und Psychologie an der Universität Kapstadt studiert und später an der Städelschule in Frankfurt am Main ein Studium der Bildenden Kunst absolviert. Seine Arbeiten umfassen Zeichnungen, Performances und Skulpturen und wurden in zwölf Gruppenausstellungen und drei Einzelausstellungen gezeigt, u.a im Nassauischen Kunstverein in Wiesbaden.


      Andrus Lauringson (EE)
      Reply-Replay
      Performance/Klanginstallation, 2008

      Andrus Lauringsons Versuchsaufbau ist denkbar einfach: eine nächtlich belebte Straße in Tallinn, ein Richtmikrofon, Tonaufnahme-Software und ein großer Lautsprecher. Von einem Zimmer im ersten Stock aus zeichnet er die Stimmen von Vorbeigehenden auf, um gelegentlich Ausschnitte dieser Gespräche mit kurzer zeitlicher Verzögerung und in erhöhter Lautstärke zurück auf die Straße zu spielen. Er selbst bleibt dabei außer Sichtweite, so dass auch die Geräuschquelle nicht sofort ausfindig gemacht werden kann. Der überraschte Passant steht nun vor der Wahl: Kampf oder Flucht?
      Reply-Replay eröffnet als interaktive Klanginstallation ein interessantes Spannungsfeld zwischen Öffentlichkeit und Privatsphäre, Selbst- und Fremdbeobachtung. Die Konfrontation mit der eigenen Stimme ist oftmals schon irritierend genug. Passiert dies jedoch auch noch unvorhergesehen und an einem unerwarteten Ort, kann diese Situation zunächst schockierend wirken. Gestört in der vermeintlichen Privatheit des persönlichen Gesprächs, wird die eigene Präsenz innerhalb des öffentlichen Raums radikal zu Bewusstsein gebracht. Auf die erste Schrecksekunde folgt meist der Spaß am gerade Erlebten; die Erfahrung begrenzter Intimität und fortdauernder Überwachung hingegen bleibt.

      Nach einem Psychologiestudium an der Universität Tartu studierte Andrus Lauringson (*1978) Medien- und Grafikdesign am Tartu Art College. Seit 2007 ist er Postgraduiertenstudent an der Estonian Academy of Arts im Fachbereich Interdisziplinäre Künste. Seine Arbeiten wurden u.a. in Tallinn, Tartu, Riga und Karlsruhe gezeigt.


      Theorie- und Praxisgemeinschaft Dr. Fahimi (DE)
      Bürgerinitiativengenerator / Social Movement Generator
      Performance, 2011
      Die Performance wird am Samstag, 10. Dezember 2011 in der Dortmunder Innenstadt stattfinden.

      Einzig ein persönliches politisches Anliegen, mehr bedarf es nicht, um den Bürgerinitiativengenerator (BIG) in Gang zu bringen. Über fünf Stationen hinweg und in einem Zeitraum von nur 30 Minuten machen es die Mitglieder der Theorie- und Praxisgemeinschaft Dr. Fahimi jedermann möglich seine eigene politische Interessengemeinschaft zu gründen – Pappschilder, Slogan und Demo-Anführerin inklusive. An der ersten Station bewerten die Künstler zunächst das Problem sowie sein Potenzial für eine politische Kampagne und entwickeln gemeinsam mit dem Anwärter eine Idee für die generelle Strategie. Anschließend widmen sich die Schreiber des Teams dem Programm der neuen Bewegung, formulieren eingängige Slogans und Schlachtrufe. An Station Drei entwirft ein BIG-Designer das passende Logo, das für die unmittelbare Produktion von Werbematerial wie Buttons und Banner verwendet wird. An der vierten Station wird eine Website für die neue Kampagne erstellt, Social Media-Tools wie Twitter und Facebook werden aktiviert. Zuletzt wird die Initiative durch aktiven Protest zum Leben erweckt. Ob Demo, Menschenkette oder Sitzblockade – die Wahl der Protestform ist dem Initiator überlassen und wird vom BIG-Team tatkräftig unterstützt.
      Mit dem Bürgerinitiativengenerator wird politisches Engagement leicht gemacht und die Wiederaneignung des öffentlichen Raums als Ort politischer Auseinandersetzung in Zeiten von sogenannten „Wutbürger“-Protesten und Massendemonstrationen wie in Athen oder Madrid spielerisch reflektiert. Der alltäglich erlebte Stadtraum wird spontan zu einem partizipativen Labor und zu einer Bühne für die individuelle politische Meinung. Gleichzeitig bricht der Protest als eine Form künstlerischer Narration die alltägliche Routine auf.
      Seine Premiere feierte der Bürgerinitiativengenerator am 1. Mai 2011 in Berlin-Kreuzberg. Inmitten des Protestrubels der Linken produzierte der BIG insgesamt 15 neue Initiativen mit so unterschiedlichen Anliegen wie 'Emissionssiegel für Flugobst' oder 'Grünes Berlin – Dachgärten für alle'.

      Die Theorie- und Praxisgemeinschaft Dr. Fahimi besteht aus acht Freiberuflern aus den Bereichen Kunst, Theater, Film und Literatur. Seit 2009 nutzen sie die Räume einer ehemaligen Arztpraxis am Kottbusser Tor in Berlin als Studios bzw. Büros und als Projektraum für kollektive Aktivitäten. Im August 2010 kuratierten sie gemeinsam das Fenster-Front-Festival. Seit 2011 entwickeln die Mitglieder den Bürgerinitiativengenerator (BIG).

      BIG-Team:
      Aktivierung: Corinne Halter, Magda Korsinsky
      Evaluation und Strategie: Jean-Michel Berg, Florian Kessler
      Programm und Slogan: Anne Levy, Wilma Renfordt
      Logo und Promotion: Ingo Gerken, Surya Gied
      Demonstration: Corinne Halter


      ZASD (DE)
      Arrow Pieces
      Skulptur / Urban Art, 2009

      Eine unbestimmte Anzahl von Pfeilen steckt in einer monochromen Hausfassade. Dieses nüchterne Bild weckt viele Assoziationen. Auf den ersten Blick wirkt die Konstellation wie die Überbleibsel eines verlorenen, archaischen Kampfes. Gleichzeitig erweckt die skulpturale Anordnung den Eindruck eines Mahnmals, das an das Geschehene erinnert und vor weiteren Angriffen warnt. Nur fragt sich, wer oder was genau das Ziel des Anschlags war und wer der Angreifer.
      Ähnlich wie beim Graffiti-Writing zeugen die Werke der Serie Arrow Pieces vom unerlaubten Eingriff in den öffentlichen Raum und der Veränderung von Oberflächen im Stadtbild. Statt der Präsentation eines Schriftzugs mit ästhetischem Anspruch funktionieren die Arbeiten jedoch eher als anonyme Zeichensprache, die jeweils aus drei Elementen besteht: Der Pfeil ist in erster Linie eine leistungsfähige Waffe. Er durchstößt den Luftraum, überwindet mit hoher Geschwindigkeit eine Distanz und eignet sich das Zielobjekt durch Veränderung an. Das Bogenschießen als historische Geste der Aneignung übersetzt in einen zeitgenössischen Kunstkontext.
      Das zweite Element ist die Wand, eine architektonische Oberfläche in der Stadt, die entweder durch dezente Anstriche weitgehend unbemerkt bleibt oder als Werbefläche missbraucht wird. Ihre eigentliche Funktion als Ein- bzw. Abgrenzung des Privaten bleibt verborgen. In den Arrow Pieces werden die leeren Wände als fremdes Element dem Kunstwerk einverleibt, besetzt und zugleich durch die bleibenden Eindrücke der Pfeile markiert. Entgegen ihrer üblichen stummen Präsenz zeigt der Künstler mit dem Finger auf sie, macht sie sichtbar und entlarvt sie als Grenzen.
      Zuletzt bleibt noch der Künstler selbst als Schütze, der mit einer im Grunde destruktiven Handlung versucht, die Grenze zwischen Privatheit und Öffentlichkeit zu durchdringen, im vollen Bewusstsein des Scheiterns. Am Ende ist es die skulpturale Form als Spur des performativen Akts, die bleibt und nachwirkt.

      ZASD ist ein Berliner Künstler und ehemaliger Graffiti-Writer, der in den Feldern Objekt, Skulptur und performative Zeichnung arbeitet. In seinen Werken befasst er sich mit der Wahrnehmung von architektonischen Räumen und der Beziehung zwischen Mensch und urbaner Umgebung. Seine Arbeiten entstehen meist ohne Auftrag in öffentlichen und privaten Räumen und waren schon in zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen zu sehen.



      URBAN ART SHOWCASE DORTMUND
      Clemens Behr (DE)
      New York & Marrakech revisited
      Objekte und Videodokumentationen, 2011

      Clemens Behr verwendet einfachste Materialien, um vergängliche, temporäre Skulpturen zu erschaffen, die die Innenräume von Galerien ebenso wie Stadträume zu dekonstruieren und neu zusammenzufügen scheinen. Bei seiner Arbeit verwendet er ausschließlich billige und recyclebare Werkstoffe wie Pappkartons, die oftmals in Müllcontainern oder Hinterhöfen aufzufinden sind. Behrs Arbeiten verändern nicht die bauliche Substanz der Orte, die er transformiert, er fügt ihnen etwas hinzu. Es scheint, als könne man einer unsichtbaren Hand dabei zuschauen, wie sie Räumen eine Form zu geben versucht, die noch nicht zu Ende gedacht ist. Oder verändern sich die Orte von selbst, wenn wir nicht hinschauen? Clemens Behr konzipiert Installationen, die auf subtile Weise zweidimensionale Street-Art-Zeichnungen mit dreidimensionalen Objekten verbindet. Seine Arbeiten scheinen den Betrachter zu täuschen, ihm seine Orientierung nehmen zu wollen. Seine überbordende Fantasie, die sich in der unerwarteten Veränderung öffentlich zugänglicher Orte niederschlägt, durchbricht die nüchterne Pragmatik des alltäglich erlebten Stadtraums und lässt uns genauer hinschauen.
      In der Ausstellung been out, [vol.1] sind zwei Objekte von Clemens Behr zu sehen, die sich auf künstlerische Interventionen in New York und Marrakesch beziehen. Begleitend werden zwei Videodokumentationen gezeigt. Sie geben Einblick in Behrs umfangreiches kreatives Schaffen. In New York arbeitete er auf eigene Faust und ohne offizielle Genehmigungen, in Marrakesch auf Einladung des dortigen Goethe-Instituts. Die Objekte beschäftigen sich mit den jeweiligen Farben und Formen der Städte, die sich Behr erstmals künstlerisch erschloss – gewissermaßen New York & Marrakech revisited.

      Clemens Behr (*1985, Koblenz) lebt und arbeitet in Berlin. Er studierte Grafikdesign an der Fachhochschule Dortmund und an der Universität von Barcelona (2008/09). Ausstellungen u.a. in Dortmund, Essen, Barcelona und Marseille. Gegenwärtig studiert er Bildende Kunst an der Universität der Künste Berlin.


      Mason (DE)
      Dokumentation kreativer Arbeiten
      Fotografie, Objekte und Schriftstücke, 1986–2011

      Eine kreative Praxis, die seit den 1980er Jahren Stadträume als Orte der Produktion und Präsentation von Kunst nutzt und sie auf neue Weise sichtbar macht, ist das Graffiti-Writing. Dortmund als alter krisengeschüttelter Industriestandort im Strukturwandel, als Bierstadt oder Heimat eines traditionsreichen Fußballvereins – das ist das gängige Klischee der Stadt, das bisweilen auch weiterhin, teils mit Ironie, teils mit altem Arbeiterpathos, gepflegt wird. Dass in Dortmund während der 80er und 90er Jahren jedoch auch eine höchst lebendige und zeitweise auch international beachtete Graffitiszene entstand, ist heute fast vergessen.
      Einer ihrer bekanntesten Protagonisten ist Mason, der der seit 1986 mit Lackspray im öffentlichen Raum arbeitet. Eindrücke und künstlerische Anregungen aus europäischen Hauptstädten wie Amsterdam, Kopenhagen, London oder Paris, die er während verschiedener Reisen sammelte, brachte er nach Dortmund mit, wo sie in der damals noch kleinen lokalen Szene auf fruchtbaren Boden fielen. Im Laufe der nächsten Jahre fand Mason zu seinem eigenen Stil, der ihn in den nachfolgenden Jahren weit über die Grenzen Europas bekannt machte.
      In der Ausstellung been out, [vol.1] sind Fotoaufnahmen einiger Graffiti-Arbeiten von Mason zu sehen, die einen Querschnitt seines kreativen Schaffens von den späten 80er Jahren bis zur Gegenwart bilden. Kontextualisiert werden die Fotografien von Fundstücken, die an die – meist nächtliche – Arbeit im Stadtraum erinnern, und von Dokumenten, die von der noch bis vor Kurzem vorherrschenden städtischen Haltung gegenüber dieser Art von kreativer Aneignung zeugt: Ablehnung.
      In der Präsentation seiner Arbeit spiegelt sich wider, wie die Stadt sich im Laufe der Jahre verändert hat. Sie weckt Erinnerungen an die alten Industriebrachen, noch bevor sie zu kulturellen Zwecken oder zu Bewahrung des industriellen Erbes umfunktioniert werden sollten. Vor der Kulturhauptstadt und regionalem Marketing. Masons frühe Arbeiten machen die alten Wunden der Stadt sichtbar, die eine alte Industrie in Auflösung hinterlässt und macht die gekränkte Identität ihrer Bewohner spürbar.

      Mason (*1971) lebt und arbeitet in Dortmund. 1986 beginnt er mit Lackspray im öffentlichen Raum zu arbeiten. 1998 Gründung von Masmedia. Zu den Leistungen der Agentur gehören Fassaden- und Objektgestaltung, Illustrationen, Multimediaproduktionen, Webdesign und Videoschnitt. 1999 Beginn der Zusammenarbeit mit dem Sprühdosenvertrieb Molotow, 2002-2007 Tätigkeit als Art Director. 2010 Eröffnung Galerie und Atelier Mattschwarz in Dortmund.